St. Martin Ettlingen
Die katholische Pfarrkirche St. Martin gehört zu den ältesten Gebäuden Ettlingens. Den Stadtbrand 1689 hat sie, wenn auch stark beschädigt, überstanden. Im Keller der Kirche befinden sich Relikte eines römischen Badegebäudes, das hier um 200 nach Christus errichtet wurde und ein wichtiges Zeugnis der ehemals römischen Siedlung Ettlingens darstellt.
Im Chorturm der Kirche wurde ein Kreuzrippengewölbe eingezogen. 1360 wurde die Kirche nach Westen hin erweitert, die Fensteröffnungen wurden im gotischen Stil gestaltet, der Kirchturm erhielt einen achteckigen Aufsatz mit maßwerkverzierten Schallöffnungen. Im 15. Jahrhundert wurde die Martinskirche zur Stiftskirche erhoben. Dies machte die Errichtung eines Chorraumes für die 24 Stiftsherren erforderlich. Ein Kapitelsaal sowie eine größere Sakristei wurden ebenfalls erbaut.
Die Zerstörung Ettlingens im Zuge des pfälzischen Erbfolgekrieges hatte auch auf die Weiterentwicklung der Kirche einschneidende Auswirkungen. Anfang des 18. Jahrhunderts begann man mit den Wiederaufbauarbeiten, die 1732 unter Markgräfin Sibylla Augusta abgeschlossen wurden. Johann Michael Ludwig Rohrer erbaute das barocke Langhaus, ein Westgiebel wurde errichtet, die Orgelempore eingebaut sowie zwei Eckemporen über den Seitenaltären vollendet.
Zwischen 1980 und 1990 wurde die Kirche generalsaniert. Besondere Beachtung fand dabei die künstlerische Ausgestaltung der Decke des Kirchenschiffs, die durch den Karlsruher Maler Prof. Emil Wachter erfolgte. Der Künstler greift Themen der Bibel auf und stellt sie in zeitgenössische Zusammenhänge.
Renovierung der Martinskirche
Ein so bedeutendes Kleinod zu renovieren, ist nicht nur zeit-, sondern vor allem auch kostenaufwändig. Es kommen trotz diverser Zuschüsse gewaltige finanzielle Anstrengungen auf die Kirchengemeinde zu. Allein für die Außensanierung sind mehr als 1,6 Millionen Euro veranschlagt. Die Größe des Gerüsts allein führt schon zu Kosten von rund 400.000 Euro. Aber es sind auch die vielen kleine Dinge, die sich aufsummieren, wie die Reparatur des Turmkreuzes mit Hahn und der Turmuhr oder die Taubenabwehr.
Darum bitten wir Sie herzlich um eine Spende für die Renovierung unserer Martinskirche. Spenden sind möglich auf unserem Konto: Röm. kath. Kirchengemeinde Ettlingen Stadt Volksbank Ettlingen IBAN: DE50 6609 1200 0000 0327 00, BIC: GENODE61ETT, Stichwort: Martinskirche
Das Sakramentshaus
Die Kirche lehrt, dass - wenn das Eucharistische Gebet gesprochen wird, die Gestalten von Brot und Wein Christi Leib und Blut werden, dass der Christus selbst in seiner Gemeinde gegenwärtig wird. Wenn also im Tabernakel das Eucharistische Brot aufbewart wird ist Christus inmitten der Menschen. Von dieser Glaubenswahrheit ausgehend ist die Tabernakelanlage entwickelt und Christus gewidmet. Das von der alten Altaranlage übernommene Tabernakel umstehen vier, den vergoldeten Baldachin tragende Säulen, die aufgebrochen sind. In den so entstandenen Nischen stehen die zwölf "Freunde Christi", die Apostel, und bezeugen durch ihr Hiersein Ursprung, Sein und Bleiben der göttlichen Wahrheit, die Erlösung und die Güte Gottes.
Der Ambo
Unter den Zeugen Christus gibt es einen, der zur Lebzeit des Herrn nicht zu seinen Freunden gehörte, der, nach eigenem Bekunde, vom Auferstandenen gerufen und dann zu einem leidenschaftlichen Verkünder des Evangeliums wurde: Paulus.
Er hielt darum seinen Platz am Ort der Verkündigung, wo er, umgeben von Feuerzungen, die seine Leidenschaftlichkeit symbolisieren, auf den Gekreuzigten hinzeigt: "Wir aber verkünden den gekreuzten Christus".
Der Osterleuchter
Als Gegenstück zu dieser Aussage (siehe Ambo) steht auf der gegenüberliegenden Seite des Altarraumes der Osterleuchter. Um den Leuchter mit dem Auferstehnungssymbol Osterkerze stehen die drei Frauen, denen als erste die Botschaft gegeben wurde: "Er ist nicht hier. Er ist auferstanden. Geht und sagt es seinen Jüngern."
Die Stieffell-Orgel
Die historische Substanz der Orgel besteht aus den Gehäuse aus Eichenholz, vier Manualladen und den Orginalregistern. 1823 wurde die Orgel durch die Gebrüder Stieffell eingebaut. 1850 erfolgte eine erste Reparatur durch Louis Voit und 1866 der Umbau durch Louis Voit & Sohn. 1936 erfolgte eine weitere Reparatur durch C. Hess, der 1957/58 ein Umbau durch Ernst Steuer folgte. Die letzte Restaurierung der Orgel wurde 1975/76 von A. Späth und P. Vier durchgeführt.
Historie der Pfarrkirche St. Martin
| | Alle Jahresangaben sind n. Chr. |
| ~ 100: | An der Stelle der heutigen Kirche war ein römisches Amtshaus. |
| ~ 600: | Fränkisches Gräberfeld in den römischen Baderuinen. Einfache rechteckige Saalkirche südlich des Gräberfeldes; vermutlich als Friedhofskapelle oder Eigenkirche bereits mit dem fränkischen Martinspatrozinium ausgestattet. |
| ~ 800: | Christliche Kultstätte |
| ~ 936: | Erwähnung einer "basilika una cum decima" in einem Güterbeschrieb des fränkischen Reichsklosters Weissenburg. |
| ~ 1120: | Frühromanische Kirche mit einem Turm im Westen, von der der untere Teil heute noch erhalten ist. |
| ~ 1246: | Erweiterung des Langhauses zur dreischiffigen Kirche. Patronatsrecht Frauenkloster Lichtenthal. |
| 1459: | Pfarrkirche wird zur Stiftskirche erhoben. Gotischer Stiftschor mit Sakramentenhäuschen, geschmückt mit dem Wappen des Speyerer Bischofs Johann von Enzberg. Erhöhung des Turmes, wovon heute noch das Oktagon mit den gotischen Schallfenstern erhalten ist. |
| 1522-1622: | Einfluß der Reformation durch achtmaligen Glaubenswechsel. |
| 1662-1773: | Seelsorge durch die Patres des Ettlinger Jesuitenkollegs. |
| 1689: | Zerstörung von Ettlingen im pfälzischen Erbfolgekrieg. Das Langhaus wird fast vollständig zerstört, der Turm brennt aus, bleibt aber bis über die Schallfenster stehen. Der Stiftschor bleibt bis auf das Dach stehen. |
| 1699-1715: | Wiederherstellund des Chörle für den Gottesdienst. Abdeckund des Turmes mit der heute noch vorhandenen Turmhaube. Sicherung des Turmes durch den sagenumsponnenen eisernen Ring, der ein Gesamtgewicht von 173 Pfund hat. |
| 1732-1734: | Wiederherstellung des Langhauses nach den Plänen des 1732 verstorbenen Baumeisters Johann Michael Rohrer - Rastatt. Für die Restauration bezahlte das Kloster Lichtenthal 1100 Gulden, die Markgrägin Augusta Sibylla 8198 Gulden. Die Bürger leisteten Frondienst. |
| 1739: | 19. Mai, feierliche Konsekration der Kirche durch Fürstbischof von Speyer, Hugo Damian, Kardinal von Schönborn. |
| 1874: | Entfernung der barocken Ausstattung (Hochaltar, Seitenaltäre, Emporen), angeblich wegen Holzwurm. |
| 1897: | Der barocke Turmhelm soll durch eine wesentlich höhere neogotische Spitze ersetzt, das barocke Langschiff vollständig abgerissen und das neue riesige Schiff zur Alb hin um 90 Grad gedreht werden. Das "Chörle" wäre damit zu einer kleinen Seitenkapelle geworden. Eine breite Überbrückung der Alb hätte den neuen Haupteingang zugänglich gemacht. Die Pläne scheitern glücklicherweise an der Kostenfrage. Dafür kommt es zum Neubau der Herz-Jesu-Kirche. |
| 1906: | Die Martinskirche verliert ihre Würde als Pfarrkirche zu gunsten der neu erbauten Herz-Jesu Kirche. Ihre Instandhaltung entbehrt der besonderen Pflege. |
| 1930: | Stadtpfarrer Augustin Kast will St. Martin wieder zu Ehren bringen und beschafft die Mamorstufen zum Chor und die Komminionbankballustade aus dem Tessin (Arzo), ferner den Marienaltar aus dem bischoflichen Palais in Lugano, ehemals im Kloster in Bellinzona und den Herz-Jesu Altar aus Hirschfeld im Hunnsrück. |
| 1934: | 1. Oktober: St. Martin wird wieder Kuratiekirche - Plattenboden Ausgrabungen unter Prof. K. Wulzinger von der bad. Denkmalspflege. Konservierung der gemachten Funde unter der Frauenseite der Kirche. |
| 1948: | St. Martin erhält seinen Titel als Pfarrkirche wieder zurück. |
| 1950: | Das Schiff der Kirche erhält neue Fenster, da die Alten im letzten Krieg schweren Schaden erlitten haben. |
| 1988: | Die Kirche erhält ihr Deckengemälde durch den Karlsruher Maler Prof. Emil Wachter. |
| 1997: | Vom Erbe des verstorbenen Mesners Alfred Becker leistet sich die Gemeinde 2 neue Glocken. Die Rupert-Mayer-Glocke und die Ökumene-Glocke. |
Glocken
Eine Aufnahme des Vollgeläuts der Glocken von St.Martin finden Sie hier
Adresse
St. Martin Ettlingen
Kirchenpl. 13
76275 Ettlingen
Kirchenpl. 13
76275 Ettlingen




























