Am Sonnabend 4. Juli 2026 um 18:30 Uhr erklang die Orgel zum zweiten Mal in besonderer Weise, diesmal in ihrem „gewohnten“ Umfeld: in der Vorabendmesse.
Patrick Fritz-Benzing, der sowohl als Bezirkskantor der Erzdiözese Freiburg als auch als Kantor in St. Stephan Karlsruhe tätig ist und außerdem als Orgelsachverständiger auch für unsere Orgel zuständig zeichnet, zeigte in seinem virtuosen Orgelspiel, wie vielfältig Orgelklang sein – und wie wunderbar die Disposition der nun 25 Jahre alten 20 Register-Orgel zu den Werken aus unterschiedlichsten Epochen eingesetzt werden kann. Stücke aus dem Barock (Pachelbel, Händel, Bach), der Romantik (Mendelssohn) und der Moderne (Nevin) waren auf seinem heutigen Programm.
Aber nicht nur diese meisterhaften Interpretationen zeichnen Patrick Fritz-Benzing als Künstler aus. Er bereicherte die übliche Gottesdienst-Liturgie durch seine melodischen, farbenfrohen und geistreichen Vorspiele zu den Gotteslobliedern, die dann von allen Gottesdienstbesuchern - von ihm an der Orgel begleitet - mitgesungen wurden. Auf diese Weise wurde wieder einmal deutlich, wie die Orgel mit ihren Klängen zu Andacht und Meditation hinführen kann – die Orgelmusik ist wie ein Gebet, das nicht gesprochen wird sondern das die Zuhörerin und den Zuhörer förmlich packt und zum Nachdenken bringen kann – über sich, über das Schöne und die Herausforderungen in unserem Leben, über Gott.
Die Orgel dient (und damit dienen auch die Organistinnen und Organisten) mit ihrer Musik einerseits der Liturgie und somit den Gottesdienstbesuchern – dies ist ihre vornehmste Aufgabe. Sie sind aber auch Garanten für das Hörbarmachen von Werken längst verstorbener Komponisten („deren Gedächtnis und Erinnerung“) und schlagen weiterführend durch die Interpretation moderner Musik einen Bogen in unsere heutige Zeit. Und nicht zuletzt wird auf diese Weise ein wichtiges Stück Handwerkskunst – der Orgelbau - am Leben erhalten.
Pfarrer Ret verglich in seiner Predigt den Orgelbauer mit Gott: er denkt sich alles aus, plant und erschafft es, sorgt für die (Klang-)Harmonie. Der Organist gleicht Christus: er bringt das „Erschaffene“ zu den Menschen, berührt sie, führt sie zu Gott. Und die Orgel selbst: sie ist ein Sinnbild für uns, die Menschen. Sie sind sehr unterschiedlich – so wie auch die Pfeifen (groß, klein, aus braunem Holz, aus hellem Metall, laut und leise) – und in ihrer großen Unterschiedlichkeit haben sie eine gemeinsame Aufgabe: Gott zu loben – „mit Pauken und Trompeten, mit Harfen und Zimbeln, mit Orgeln und Gesang“!
Am Ende dieses konzertant gestalteten Gottesdienstes dankten die hoch erfreuten Gottesdienstbesucherinnen und Gottesdienstbesucher dem heutigen Organisten Patrick Fritz-Benzing mit lang anhaltendem Applaus.
Spontan von Pfarrer Ret angeregt und angeführt durften Kinder und Erwachsene, die sich trauten, auf die Orgelempore gehen und dort dem Schlussspiel von Patrick Fritz-Benzing zuhören und zusehen. Und danach noch einen Blick in das Orgelgehäuse werfen – und da standen sie – die unterschiedlichsten Pfeifen, denen der Organist zuvor einen wunderbar farbenfrohen Klang entlockt hatte.
Norbert Höptner

