Gemeinsam glauben - Impulse des Seelsorgeteams

 
Mit kurzen Impulsen möchte das Seelsorgeteam zum Nachdenken, zum Gespräch und zum Beten anregen. Als Nachricht per E-Mail, auf der Homepage und über das MAZ wird wöchentlich ein Impuls veröffentlicht.
 
Die verschiedenen Möglichkeiten:
  • per E-Mail: Mail mit dem Betreff „gemeinsam glauben“ an pfarramt[ät]kath-malsch.de
  •  hier auf unserer Homepage
  • über das MAZ
  
Freitag, 06.11.2026
Glauben 
„Das Gegenteil von Glauben ist nicht Zweifel, das Gegenteil von Glauben ist Kontrolle.“ (Richard Rohr). Können Sie diesen Satz teilen? Für mich ist Glauben eine behutsame Angelegenheit. Wer glaubt, der vertraut. Wer glaubt, der weiß nicht alles, und: er lässt Kontrolle und Bescheidwissen los.
Ich möchte Sie gerne fragen: Wo und wie spüren Sie die göttliche Gegenwart? Oder ist Ihnen Gott eher fremd oder unvertraut?
Wo Gott für mich ist: in jedem Atemzug, in jedem Atom, in den Weiten des Alls, im Lächeln eines Kindes und auch im Antlitz eines Sterbenden. Ignatius, ein großer Exerzitienlehrer, sagt dazu: „Gott in allem finden.“
Dr. Ruth Fehling, Pastoralreferentin
Freitag, 30.10.26
Sind wir nicht alle ein bisschen heilig? Die Frage überrascht. Und wahrscheinlich auch die Antwort: In gewisser Weise – ja.
Zumindest die eine oder den anderen regt das auf: Ich sicher nicht! Heilige, das sind andere. Vollkommene Menschen mit makellosen Lebensläufen, fromm, ein wenig weltfremd – und unbeweglich wie die Steinfiguren auf den Altären.
Doch was heißt „heilig“ überhaupt? Zunächst erstaunlich wenig. Heilig ist im Kern einer: Gott. Alles andere ist nur heilig, sofern es mit ihm verbunden ist. Die Frauen und Männer im Kalender gehören dazu – aber es gibt einen viel breiteren, alten Gebrauch: Paulus schreibt an die „Heiligen in Korinth“ und meint eine ziemlich schwierige Truppe. Heilig ist dort kein Preis für ein tadelfreies Leben, sondern eine Zusage: Ihr seid mit Gott verbunden. Angenommen, gewollt – egal, was ihr von euch haltet.
Heiligkeit ist also Verbindung: Himmel und Erde, nicht durch fromme Anstrengung zusammengebogen, sondern durch Gott selbst, der in Jesus Mensch geworden ist. Deshalb ist sie zuerst Geschenk und erst dann Aufgabe.
Und deshalb kann sie nicht weltfremd sein. Die meisten großen Heiligen haben sich auf die Welt eingelassen, bis unter die Haut: Franziskus küsste den Aussätzigen, Elisabeth von Thüringen trug heimlich Brot zu den Hungrigen. Nicht Distanz macht heilig, sondern Verbundenheit.
Davon handelt Allerheiligen: von der großen, bunten Schar, bei denen die Verbindung sichtbar geworden ist – auch von den unzähligen ungenannten, von denen niemand je ein Lebensbild schreiben wird. Manche Heilige kommen mir wunderbar vor, andere ganz wunderlich. Genau das ist die Botschaft: Es gibt nicht den einen heiligen Lebensstil. Es gibt den eigenen Weg, authentisch gegangen. Und einer davon ist Ihrer.
Tobias Speck, leitender Referent
Freitag, 23.10.2026
Vor genau 100 Jahren – im Jahr 1926 – rief Papst Pius XI. den Sonntag der Weltmission ins Leben. Die Gläubigen sollten sich an einem gemeinsamen Tag daran erinnern, dass wir Christen weltweit zusammengehören – im Gebet, im Teilen und in konkreter Unterstützung.
 
„Sei mutig und stark.“ So lautet das Leitwort in diesem Jahr jetzt am kommenden Sonntag. Es ist der biblische Zuspruch Gottes an Josua, den Nachfolger des Mose. Er steht vor der Aufgabe, das Volk Israel nach der herausfordernden Wüstenwanderung in das verheißene Land zu führen. „Sei mutig und stark“ (Jos 1,6). Gott verspricht Josua, überall, wo er unterwegs ist, an seiner Seite zu sein.
 
„Sei mutig und stark“ – das ist auch jedem und jeder von uns zugesagt. Dass Gott sein Vertrauen in uns setzt, dass Gott mitgeht auf unseren Wegen – das können Quellen sein, aus denen wir Mut und Stärke schöpfen.
Und Mut zeigt sich ja nicht nur in großen Gesten. Er ist nicht immer spektakulär. Manchmal zeigt er sich einfach darin, da zu sein. Tag für Tag. Für sich, für andere, für Gott.
 
„Sei mutig und stark“ – überlegen Sie doch für sich oder kommen Sie mit anderen darüber ins Gespräch: Wann waren Sie zuletzt mutig? Welche Situation hat Sie herausgefordert? Welche Ihrer Stärken setzen Sie zum Wohle anderer ein? Wie würden Sie Ihr Vertrauen auf Gott beschreiben?
 Pfr. Rainer Warneck, Kooperator 
Freitag, 16.10.26
Risse gehören zum Leben
Vor großen Entscheidungen tut es gut, innezuhalten und zurückzublicken: Was hat mich geprägt? Was ist mir gelungen? Was beschäftigt mich noch? Und gibt es etwas, das mich belastet?
Heute Abend nehmen sich 28 Jugendliche unseres Pastoralraums Malsch Zeit für solche Fragen. Fünf Wochen vor ihrer Firmung schauen sie auf ihr bisheriges Leben, auf ihre Beziehungen und auf ihren Glauben. Sie setzen sich damit auseinander, wo sie andere verletzt haben, wo sie selbst verletzt wurden und was sie gerne verändern möchten.
 
Vielleicht passt dazu das Bild einer Tonscherbe. Wir alle haben unsere Risse und Bruchstellen. Manchmal leiden wir unter unseren eigenen Fehlern und Grenzen. Manchmal tragen wir auch Verletzungen in uns, die andere uns zugefügt haben. Nicht alles lässt sich einfach wieder heil machen. Aber wir können versuchen, Verantwortung zu übernehmen, um Verzeihung zu bitten oder selbst einen Schritt auf einen anderen Menschen zuzugehen.
 
Unser christlicher Glaube erzählt von einem Gott, vor dem wir uns nicht verstecken müssen. Wir dürfen vor Gott sein mit unseren guten Seiten, mit unserem Können und Gelingen aber auch mit unseren Dunkelheiten, unseren Grenzen, mit unseren Sprüngen und Rissen.
 
Vielleicht ist heute nicht nur für unsere Jugendlichen ein guter Moment, innezuhalten und ehrlich hinzuschauen. Wenn wir anerkennen, was schiefgelaufen ist und trotzdem darauf vertrauen, dass ein Neuanfang möglich bleibt – da kann Versöhnung beginnen.
Ihre Martina Berghäuser, Pastoralreferentin
 
Freitag, 09.10.26
Am 9. Oktober feiert die Kirche den Gedenktag des heiligen John Henry Newman, der 1801 in London geboren wurde. 2019 wurde er heiliggesprochen und 2025 zum Kirchenlehrer erklärt.
Ein besonders bekannter Satz von ihm lautet: „Cor ad cor loquitur – Das Herz spricht zum Herzen.“
Dieser Satz passt sehr gut in unsere heutige Zeit.
Wir leben in einer Welt, in der wir durch soziale Medien ständig miteinander verbunden sind. Wir schreiben Nachrichten, schicken Bilder und können jederzeit Kontakt aufnehmen. Und trotzdem kann echte Nähe fehlen.
Denn das Herz braucht mehr als Worte. Es braucht Aufmerksamkeit, Verständnis und echte Nähe. Wenn ein Mensch sich mir wirklich zuwendet, spüre ich: Ich bin nicht allein. Ich bin gesehen und angenommen.
Auch Gott möchte unser Herz erreichen. Er spricht oft nicht laut, sondern leise – durch einen Menschen, durch eine Begegnung, durch einen Gedanken oder einen stillen Moment.
Nehmen wir uns Zeit füreinander. Hören wir nicht nur mit unseren Ohren, sondern auch mit unserem Herzen. Und bleiben wir offen für die leise Stimme Gottes.
Kooperator Tijo Thomas
Freitag, 02.10.2026
„Huiuiui, das ist aber teuer!“ „Die Äpfel sind aber klein!“ „Die Mirabellen kannst du vergessen!“ „Die Kirschen sind voller Untermieter!“
 
Dies alles sind Sätze, die ich letzthin beim Einkaufen in verschiedenen Läden in der Obst- und Gemüseabteilung gehört habe. Der sehr heiße, trockene Sommer hat den Ertrag der Früchte ziemlich beeinflusst, und das spiegelt sich in Qualität, Verfügbarkeit und Preis wider.
 
In all diese Erkenntnisse fällt jetzt das Erntedankfest. Teuer, faul, wurmstichig, winzig – alles Wörter, die man nicht unbedingt mit Dank in Verbindung bringt. Für manche klingt Erntedank da fast wie Hohn.
 
Und dennoch: niemand hat bisher den Gedanken geäußert (zumindest ich habe nichts dergleichen gehört), Erntedank dieses Jahr ausfallen zu lassen. Am Ende steht Gott hinter allem, und wenngleich wir Äpfel aus vorigen Jahren größer und Zwetschgen mit weniger Würmern kennen, so gibt uns Gott doch viel mehr als Feldfrüchte.
 
All die Menschen, die dafür arbeiten, dass wir über Lebensmittel verfügen können – Bauern, Bäcker, Köche und noch viele andere – haben ebenso ein Recht, dass man zu Erntedank an sie denkt. Der Bauer hätte uns auch lieber saftige anstatt holziger Birnen geliefert, und ein guter Koch macht aus dem knorrigen Apfel dann eben Mus, aber wir merken: vielleicht sind wir anderes gewohnt, aber das ändert nichts daran, dass wir danken sollten. Zum Danken haben wir wahrlich genug Gründe – zu Erntedank, und auch sonst!
 
Markus Fischer, Gemeindereferent