Martina Kastner, Vorsitzende des Pfarreirats
Der Pfarreirat ist der Ort, wo die großen Linien für die neue Pfarrei und Kirchengemeinde gezogen, beraten und entschieden werden. Vorsitzende ist Martina Kastner, die für dieses Amt viel Erfahrung mitbringt.
Im Interview stellt sie sich vor und verrät, was sie motiviert und bewegt, wagt einen Blick auf aktuelle und künftige Herausforderungen.
Was hat dich dazu bewegt, dich im Pfarreirat zu engagieren - gab es einen Schlüsselmoment oder eine Person, die dir den Anstoß gegeben hat?
Weder noch - mich bewegt die Antwort auf die Frage: „Lust auf Rat? Oder nicht eher Last am Rat?“, die mir als langjährig Engagierte in den Räten auf verschiedenen Ebenen in unserer Erzdiözese immer wieder gestellt wird.
Viele zweifeln, ob ihr Mitdenken, ihr Mittun und ihre oft über Gebühr eingesetzte Zeit Früchte trägt. Manche fragen sich, ob solche demokratisch gewählten Gremien in unserer Kirche überhaupt ihre Berechtigung und damit eine Zukunft haben.
Lust auf Rat? - Für meine Person kann ich diese Frage uneingeschränkt mit Ja beantworten. Deshalb setze ich persönlich hinter „Lust auf Rat“ statt eines Fragezeichens ein Ausrufezeichen!
Die Lust und damit die Leidenschaft am ehrenamtlichen Engagement in unserer Kirche sind mir noch nicht vergangen! Auch wenn einem dabei bisweilen ganz gehörig der Wind ins Gesicht bläst - ich hoffe weiterhin, dass sich Kirche erneuern kann - durch unser Engagement!
Viele zweifeln, ob ihr Mitdenken, ihr Mittun und ihre oft über Gebühr eingesetzte Zeit Früchte trägt. Manche fragen sich, ob solche demokratisch gewählten Gremien in unserer Kirche überhaupt ihre Berechtigung und damit eine Zukunft haben.
Lust auf Rat? - Für meine Person kann ich diese Frage uneingeschränkt mit Ja beantworten. Deshalb setze ich persönlich hinter „Lust auf Rat“ statt eines Fragezeichens ein Ausrufezeichen!
Die Lust und damit die Leidenschaft am ehrenamtlichen Engagement in unserer Kirche sind mir noch nicht vergangen! Auch wenn einem dabei bisweilen ganz gehörig der Wind ins Gesicht bläst - ich hoffe weiterhin, dass sich Kirche erneuern kann - durch unser Engagement!
Wie würdest du in einem Satz beschreiben, was dir dein Glaube im Alltag bedeutet?
Die Beschäftigung mit Frauen in der Bibel, deren Gott ihrer Hoffnung auf Frieden und Gerechtigkeit immer wieder Nahrung gab und der sie stärkte, beides für ihr Leben einzuklagen - das ist für mich Ansporn und gelebter Glaube im Alltag!
Welche Werte oder Überzeugungen treiben dich an, für was möchtest du stehen? (Gibt es ein Lied oder einen Bibelvers, der das für dich besonders ausdrückt?)
„Im Feuer und im Sturmes Braus“ - kommt die Geistkraft. Wir hören und beten es in der Pfingstsequenz.
Geistkraft im Sturmes Braus - das heißt nicht Ruhe und Stillstand, sondern Bewegung und Lebendigkeit!
Diese sollten wir uns erhalten! Das bringt uns weiter!
Geistkraft im Sturmes Braus - das heißt nicht Ruhe und Stillstand, sondern Bewegung und Lebendigkeit!
Diese sollten wir uns erhalten! Das bringt uns weiter!
Was macht dir in deinem Engagement am meisten Freude – und was raubt dir manchmal den Schlaf?
Lust und auch Leidenschaft (!) im Engagement verspüre ich - neben den Räten - auch in der kfd (Kath. Frauengemeinschaft Deutschlands). Es macht mich aber auch wütend, dass Frauen nach wie vor um ihre angemessene Stellung in der Kirche kämpfen müssen und Geschlechtergerechtigkeit in allen Diensten und Ämtern sich nicht zu einem selbstverständlichen Tun aus der uns allen gleich geschenkten Würde ergibt.
Was schätzt du am aktuellen Pfarreirat am meisten - und wo wünschst du dir noch mehr?
Im Pfarreirat erlebe ich das Miteinander der gewählten Ehrenamtlichen und der beratenden Hauptamtlichen als wertschätzend zueinander. Auch wenn wir aus unterschiedlichen „Richtungen“ kommen, sind wir uns der Verantwortung für die gesamte Pfarrei bewusst.
Ich hoffe, dass wir - wenn die „richtig“ schwierigen Entscheidungen noch kommen - es weiterhin schaffen, in einem offenen Austausch zu diskutieren und dann - demokratisch getroffene - Entscheidungen gemeinsam nach außen vertreten und verantworten.
Gibt es etwas in der bisherigen Arbeit des Pfarreirates, auf das du stolz bist?
Da schaue ich auch etwas zurück auf das „Vorfeldentscheidungsgremium“ vor der Wahl des neuen Pfarreirates, das aus Vertretungen der Pfarrgemeinderäte der damaligen Seelsorgeeinheiten gebildet wurde. Dort wurden schon Entscheidungen im Vorfeld der Einrichtung der Pfarrei getroffen, die mich hoffnungsvoll stimmten, dass wir auch im Pfarreirat an diese Arbeitsweise anknüpfen können.
Aktuell freue ich mich, dass der Pfarreirat sich nicht nur im „Binnenraum Kirche“ bewegt, sondern auch - gerade durch die Beteiligung an den politischen Kundgebungen in diesem Jahr - seine gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnimmt.
Aktuell freue ich mich, dass der Pfarreirat sich nicht nur im „Binnenraum Kirche“ bewegt, sondern auch - gerade durch die Beteiligung an den politischen Kundgebungen in diesem Jahr - seine gesellschaftspolitische Aufgabe wahrnimmt.
Wie erlebst du die Zusammenarbeit zwischen Hauptamtlichen und Ehrenamtlichen?
Spontan denke ich an die bisweilen getätigte Aussage: Die Kirche der Zukunft ist eine Kirche der Ehrenamtlichen.
Ja, die ehrenamtlich Tätigen in unserer Kirche sind ein großer Schatz, aber ob wir deshalb von einer Kirche der Ehrenamtlichen bzw. einer Freiwilligenkirche sprechen können?
In meiner Vorstellung im Flyer zur Pfarreiratswahl schrieb ich u.a., dass ich kandidiere, um beizutragen, dass „das neue Wir gelingt“.
Das „WIR“ - damit meinte ich nicht nur die nun neue Struktur, sondern das „Wir“ der Engagierten und m.E. braucht es beides: Ehrenamt und Hauptamt! Ehrenamtlich und hauptberuflich Tätige, die gemeinsam Verantwortung an je unterschiedlichen Stellen übernehmen und damit an „einem Strang“ ziehen, um Kirche zukunftsfähig aufzustellen.
Ja, die ehrenamtlich Tätigen in unserer Kirche sind ein großer Schatz, aber ob wir deshalb von einer Kirche der Ehrenamtlichen bzw. einer Freiwilligenkirche sprechen können?
In meiner Vorstellung im Flyer zur Pfarreiratswahl schrieb ich u.a., dass ich kandidiere, um beizutragen, dass „das neue Wir gelingt“.
Das „WIR“ - damit meinte ich nicht nur die nun neue Struktur, sondern das „Wir“ der Engagierten und m.E. braucht es beides: Ehrenamt und Hauptamt! Ehrenamtlich und hauptberuflich Tätige, die gemeinsam Verantwortung an je unterschiedlichen Stellen übernehmen und damit an „einem Strang“ ziehen, um Kirche zukunftsfähig aufzustellen.
Wo siehst du die größte Stärke der Pfarrei?
Der Prozess „Kirchenentwicklung 2030“ hat anfangs keine Begeisterungsstürme entfacht …
Viele hatten u.a. die Sorge, dass das kirchliche Leben vor Ort so nicht mehr stattfindet und alles „zentralisiert“ wird. Doch diese Sorge ist unbegründet. Was bisher gelebt wurde, darf weiterhin sein! Durch die Einrichtung der Pfarreien werden aber viele - gerade auch Ehrenamtliche vor Ort - von manchen Prozessen (bes. im Bereich der Verwaltung) entlastet.
Zu unserer Pfarrei St. Martin Ettlingen:
Mit K2030 habe ich mich -auch durch mein Engagement auf Diözesanebene- von Anfang an beschäftigt (beschäftigen müssen) und dadurch einen guten Einblick, was sich auch in anderen (neuen) Pfarreien tut bzw. nicht tut …
Hier in unserer Pfarrei sind wir auf einem sehr guten Weg - in fast allen Bereichen! Für mich zeigte sich das auch eindrücklich bei unserem „Richtfest“ im Januar 2026! Den Schwung dieses Tages sollten wir uns erhalten!
Viele hatten u.a. die Sorge, dass das kirchliche Leben vor Ort so nicht mehr stattfindet und alles „zentralisiert“ wird. Doch diese Sorge ist unbegründet. Was bisher gelebt wurde, darf weiterhin sein! Durch die Einrichtung der Pfarreien werden aber viele - gerade auch Ehrenamtliche vor Ort - von manchen Prozessen (bes. im Bereich der Verwaltung) entlastet.
Zu unserer Pfarrei St. Martin Ettlingen:
Mit K2030 habe ich mich -auch durch mein Engagement auf Diözesanebene- von Anfang an beschäftigt (beschäftigen müssen) und dadurch einen guten Einblick, was sich auch in anderen (neuen) Pfarreien tut bzw. nicht tut …
Hier in unserer Pfarrei sind wir auf einem sehr guten Weg - in fast allen Bereichen! Für mich zeigte sich das auch eindrücklich bei unserem „Richtfest“ im Januar 2026! Den Schwung dieses Tages sollten wir uns erhalten!
Welche Herausforderungen siehst du im Moment und hast du eine Ahnung, wie wir damit umgehen können?
Die zurückgehenden Ressourcen - personell und finanziell - verlangen Weitsicht und langfristig wohl nicht „angenehme“ Entscheidungen. Auf der nächsten Sitzung des Pfarreirates steht der Entwurf des Haushaltsplans 2027 auf der Tagesordnung. Hier werden schon Veränderungen erkennbar, denen wir uns zu stellen haben. Auch unsere vielen Immobilien werden uns zunehmend beschäftigen. Hier wird es darauf ankommen, einen Prozess anzustoßen, der transparent und ehrlich mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen unter Berücksichtigung der pastoralen Notwendigkeit erfolgt.
Was wünschst du dir von der Kirche in 5 Jahren - und wie arbeitest du daran, dass es Wirklichkeit werden kann?
Erzbischof Stephan Burger drückte es im Zuge von K2030 mal so aus: „… damit man in der Erzdiözese Freiburg auch noch 2030 gut katholisch sein kann.“
Ja, aber… sagen da viele - auch ich. Denn zum „gut katholisch sein“ gehört für mich auch:
Dass wir eine „ecclesia semper reformanda“ sind und damit einhergehend die Überwindung des mangelnden Reformwillens so mancher „Kirchenfürsten“ …
Eine synodale und geschlechtergerechte Kirche - dafür setze ich mich weiter ein!
Wie erlebst du den Dialog zwischen Kirche und Gesellschaft in unserer Pfarrei?
Als Pfarrei(rat) arbeiten wir hier aktuell in einem Bündnis von Menschen aus unterschiedlichsten Bereichen im Einsatz für Demokratie und Menschenwürde zusammen. Ich denke hier an die Kundgebungen im Februar und im Juli 2026 in Ettlingen. Mit unserem Banner „Unser Kreuz hat keine Haken“ und mit Redebeiträgen war die Pfarrei eindrücklich zu sehen. Dass Kirche sich in unserer zunehmend polarisierten Welt öffentlich zeigen muss, wird verstärkt werden müssen.
Auch bei der „Langen Nacht der Demokratie“ am 2. Oktober sind wir federführend dabei!
Gibt es aktuelle Themen, die dich besonders bewegen - innerkirchlich wie gesellschaftlich?
Was mich innerkirchlich bewegt, habe ich oben in meinem Wunsch für die nächsten 5 (und noch mehr …) Jahre gesagt.
Gesellschaftlich bewegt mich, mehr noch - es macht mich fassungslos:
das Erstarken der rechtspopulistischen und extremen Kräfte in unserem Land.
Was tust du, um Kraft zu tanken, wenn das Engagement mal anstrengend wird?
Ich weiß, dass es neben den Stresszeiten auch ruhigere Zeiten gibt. Beides wechselt sich ab. Und als Ehrenamtliche weiß ich auch, dass es nicht nur von mir abhängt …
Und ganz praktisch: Schokolade hilft immer! 😉
Welchen Rat würdest du einer jungen Person geben, die sich in der Kirche engagieren möchte – aber noch unsicher ist?
Probiere es mal! Und nutze das Entwicklungspotential, das - auch kirchliches(!) - Engagement bietet!
Die Fragen stellte Tobias Speck.