Pfarrwallfahrt - Eine Europakarte, viele bunte Blätter und 2000 Schritte.
Eine ungewöhnliche Pfarrwallfahrt am 11. Oktober in Malsch verbindet kirchliche Orte – und Menschen.
Eine alte Form, Kirche neu sichtbar zu machen?

Beim Abschlussgottesdienst der Malscher Pfarrwallfahrt am 11. Oktober stand eine Europakarte in der Pfarrkirche St. Cyriak, auf der die Geburtsorte der Wallfahrer als Punkte markiert waren, und hingen beschriebene Blätter an der Wand. Üblicherweise startet die Wallfahrt hier, doch dieses Jahr war alles anders.
Es war ein unerwartetes Angebot - eine Wallfahrt durch den eigenen Ort! Weil die jährliche Wallfahrt nach Moosbronn wegen der Renovierung der dortigen Kirche nicht wie üblich durchgeführt werden konnte, hatte das Gemeindeteam einen Pilgerweg ausgewählt, mit dem Kirchen in Malsch verbunden wurden. Das zentrale Thema „auf dem Weg, für Frieden und Gerechtigkeit“ – die Wallfahrt war nach dem II. Weltkrieg als Dank für die Verschonung des Ortes begonnen worden – wurde dieses Jahr anhand des Begriffs „Heimat“ konkretisiert.
Begonnen wurde in St. Bernhard, der Kirche für den Ortsteil von Malsch, der nach 1945 „Neue Heimat“ für viele Flüchtlingen wurde. Aber auch später – und das zeigten die von den Pilgernden angebrachten Punkte ihrer Geburtsorte auf der Karte – zogen Menschen aus vielen Teilen Europas nach Malsch. In einer Zeit, die von Flucht und Migration geprägt ist, kommt es darauf an, Heimat zu finden und Heimat angeboten zu bekommen.
Die zweite Station war das Begegnungszentrum der Pfarrei, das Theresienhaus, in dem viele Menschen sich mit ihrem Engagement z.B. in einem Chor, in der Bücherei und bei vielen Begegnungsmöglichkeiten einbringen – und damit „Heimat gestalten“. Hier besprachen die Wallfahrer in kleinen Gruppen, was für sie Heimat ausmacht und was sie sich für ihre Heimat wünschen. Mit diesen Gedanken wurden bunte Blätter beschrieben und Fürbitten gestaltet.
Anschließend ging es zur Peterskapelle auf dem Friedhof, in der zum Begriff „ewige Heimat“ bei einer schottischen Lied aus dem 16. Jahrhundert, in dem die Erinnerung an die Liebsten angesprochen war, gemeinsam schweigend nachgedacht werden konnte.
An allen Stationen gab kurze Impulse durch Bibelstellen und einen Segen, bevor die Gruppe jeweils mit dem Lied „Geh mit uns auf unserem Weg“ wieder aufbrach.
Nach rund 2000 Schritten erreichten die Pilger, die bei jeder Station mehr geworden waren, St. Cyriak und brachten die Landkarte, die Fürbitten und die Blätter in den Abschlussgottesdienst ein, in dem das Thema „Heimat“ in der Predigt ebenfalls aufgegriffen wurde. Mit den Blättern, die für alle sichtbar waren, wurde ein schönes Symbol für die „Lebendigkeit von Heimat“ gefunden und sie stellen eine gelungene Verbindung zum Lebensbaum-Kreuz dar, das im Chorraum der Kirche steht.
Die Rückmeldungen der Pilger zeigten, dass die aus der Not geborene Idee, im Ort zu wallfahren, gut angenommen wurde. Positiv gewürdigt wurde die Möglichkeit, unterwegs dazu zu stoßen oder auch nur an einer Station teilzunehmen. Diese Form, Kirche zu leben und Kirche sichtbar zu machen, darüber waren sich alle einig, sollte fortgesetzt werden – mit den Worten einer Teilnehmerin: „Gerne wieder so!“ Gemeindeteam Malsch
