besonders verehrt in England
Aelfred, geboren 848 oder 849 in Wantage (heutige Grafschaft Oxfordshire in Südengland) als vierter Sohn des Königs Ethelwulf von Wessex und seiner ersten Gemahlin Osburg, wurde bereits als Fünfjähriger in Rom von Papst Leo IV. (847–55; Heiliger) zum König gesalbt. Er bestieg nach dem Tod des Vaters sowie seiner drei älteren Brüder 871 den Thron von Wessex, des bedeutendsten der sieben angelsächsischen Königreiche. An der Spitze der Angelsachsen, die ihn bald als ihren obersten König akzeptierten, führte er einen jahrelangen erbitterten Kampf gegen die immer wieder einfallenden heidnischen Dänen (Wikinger), konnte sie aber nur aus Wessex und dem benachbarten Mercien fernhalten. 878 besiegte er sie entscheidend in der Schlacht bei Edington, und 886 konnte er auch den wichtigen Handelsplatz London zurückgewinnen, wo er seinen Schwiegersohn, Ethelred von Mercien, als Statthalter einsetzte. Im selben Jahr kam ein das angelsächsische Königtum sichernder Friedensvertrag mit seinen Gegnern zustande, die sich im Nordosten der Insel festgesetzt und unter ihrem mittlerweile getauften Anführer Guthrum den Danelag (Gebiet der Dänen im östlichen England) etabliert hatten.
Aelfred baute sein vom Krieg verwüstetes Land neu auf, errichtete Festungen, reorganisierte das Heer und begann mit dem Bau einer ersten englischen Flotte (»Vater der britischen Marine«), womit er die Voraussetzungen zu weiteren Erfolgen gegen die ab 892 wieder angreifenden Dänen und ihre schließliche Vertreibung aus den ihnen verbliebenen Gebieten unter seinen Nachfolgern schuf.
Zu Aelfreds bedeutendsten Leistungen gehören seine Bemühungen um die angelsächsische Kultur: Er holte zu seinen einheimischen auch Gelehrte aus dem Frankenreich an seinen Hof in Winchester, ließ die angelsächsischen Gesetze von Wessex, Mercien und Kent sammeln, um das Rechtswesen zu vereinheitlichen (Vorläufer des späteren »Common Law«), reformierte die Verwaltung und das Finanzwesen, stiftete Klöster und Kirchen und förderte das Schulwesen. Bedeutende theologische und geschichtliche Werke ließ er aus dem Lateinischen in die Volkssprache übersetzen bzw. übersetzte sie selbst (z. B. die Weltgeschichte des Orosius aus dem 5. Jahrhundert und die »Regula pastoralis« von Papst Gregor dem Großen aus dem 6. Jahrhundert).
Aelfred starb am 28. Oktober 899, 900 oder 901 und wurde in der Kathedrale Saint Swithun in Winchester beigesetzt. Schon bald nach seinem Tod erhielt er den Beinamen »der Große« und wurde als Heiliger verehrt – wie sein Vorbild, der König der Franken und spätere Kaiser Karl der Große (König ab 768, Kaiser 800–14; Heiliger). Aelfred wurde zwar nie offiziell kanonisiert, wird aber von den Engländern noch heute als einer ihrer größten Heiligen verehrt. Seine Gebeine wurden einst in das Benediktinerkloster New Minster (später Hyde Abbey) überführt und zogen mit dem Kloster im Jahre 1110 nach Hyde Mead um.
Darstellung: in königlicher Kleidung oder in Ritterrüstung mit königlichen Insignien

Quelle: Herder-Verlag
